1000 Euro für die Rheinbacher Bücherei nach Premierenkonzert von „Weilerfeld“
Alle macht den Liedern! Rund 100 Gäste lauschten im Pfarrzentrum St. Martin begeistert dem ersten abendfüllenden Konzert der Rheinbacher Band „Weilerfeld“ im Begleitprogramm von „Kunst findet Stadt“. Die Band rundete die Hutspenden für die Anschaffung von Medien der Öffentlichen Bücherei St. Martin auf glatte 1.000 Euro auf.
Eine solche Vielfalt an musikalischen Stilen, Instrumenten und Liedtexten hat es von einer Rheinbacher Band wohl noch nicht gegeben. Die neue Band „Weilerfeld“ hatte angekündigt, sie mache Musik „von Folk, Rock, Pop, Chanson und Liedermacher mit deutschen und kölschen Texten überwiegend aus eigener Feder“. Zur Freude des Publikums hielt sie Wort.
Da war zu Beginn das Lied über Liebe zu gutem Kaffee, eine freie Übertragung eines Popsongs von Vero Nouk, für die Gitarrist Dieter Peters verantwortlich zeichnete. Reine Cover wie „And’re, die das Land so sehr nicht liebten“ von der Gruppe Zupfgeigenhansel nach einem Gedicht von Theodor Kramer und das humorvolle „Das erste Mal mit Andrea“ (Die Feisten) wechselten mit Eigenkompositionen wie „Königssohn“ (Gerd Engel) und „Wind der Erinnerung“ (Gregor Haida). Haida spielt dabei nicht nur Bass, sondern griff immer wieder auf beeindruckende Art zur Klarinette.
Auch Pianist Winfried Lehnen hielt es nicht durchgehend auf seinem Klavierhocker. Bei „Ketten“, einer kölschen Bearbeitung eines Liedes des Ostberliners Toni Mahoni, gelangen im freche Einwürfe von seinem neuen Zweitinstrument, der Posaune. Die Rockgitarre holte Dieter Peters bei „Weilerfeld“ aus dem Ständer. „Ja, wir wohnen im Neubaugebiet …. Ich glaube der Ostwind, der rächt sich mit dem Rauschen der A61“ hatte der damalige Neubürger Gerd Engel vor knapp zwanzig Jahren getextet und Dirk Plücker aus dem Spickermannweg hatte die Musik dazu geschrieben. Im Arrangement mit Cajon (Mark Grüner) und der Percussion von Heike Glaser klang der „Oldie“ nun frisch und unverbraucht.
Nach der Pause glänzte eine weitere Heimathymne. U.a. Posaune, Irish-Pipe, Sopranino-Flöte und Querflöte (Glaser) instrumentierten kunstvoll „Et Tomburch-Leed“. In Anlehnung an eine irische Melodie hatte Gerd Engel mit Dialekt-Unterstützung des mittlerweile verstorbenen Hubert Beyer seinen Identifikationspunkt mit der neuen Heimat ein lyrisches Denkmal gesetzt: „Ming Wuazele ördendlich driewe janz deef em Rhembacher Lehm.“

Beim irre komischen „Nussschüsselblues“ von „Die Feisten“ zeigte Peters, dass er auch Mundharmonika kann. Der „Meister der Melancholie“, wie Engel den Band-Bassisten Gregor Haida augenzwinkernd getauft hatte, steuerte anschließend ein weiteres Chanson bei: „Wo die Liebe hinfiel“. Schwermütig wurde es auch bei dem Wenzel-Cover „Wenn nur diese Fratzen nicht wär’n“ für das Heike Glaser sich ihr Akkordeon umschnallte, um gleichsam die hässlichen Fratzen zu vertreiben und zugleich die alten Dichter herbeizurufen.
Beim letzten Lied vor der Zugabe hatte wiederum Dieter Peters gezeigt, wie treffend Mundart Dinge auf den Punkt bringen kann. Aus Georgs Ringsgwandls wienerischen Blues-Nummer „Nix mitnemma“ textete er beispielsweise „Froch doch ens dä Düvel oder froch dä Leeve Jott. Nä, du kanns nix mitnemme.“ Bastian Bandts wunderbares Lied „Tochter“ durfte als Zugabe den Abschluss eines unvergesslichen Konzertabends bilden.
Daniela Hahn, Leiterin der Öffentlichen Bücherei St. Martin Rheinbach, freute sich als Gastgeberin gemeinsam mit uns als mitveranstaltenden Verein über den Erfolg des Abends, der sich auch an den großzügigen Hutspenden festmachte. Durch die Band aufgerundete 1.000 Euro konnte sie in Empfang nehmen. „Damit werden wir unseren Medienbestand aktualisieren, insbesondere bei den Medien aus dem Themenfeld Demokratie.“ Das passte insofern auch gut, weil der Konzertabend Teil des Begleitprogramms von „Kunst findet Stadt“ mit dem Themenschwerpunkt „Demokratie“ war. Die „Weilerfelder“ haben jedenfalls Blut geleckt und werden jetzt wieder in den Probenkeller tauchen, um weitere Lieder zu entwickeln.

